Athlete image

Weather Station - Sophie Odelberg

In dieser Saison haben wie Sophie Odelberg auf ihrer Reise durch die Berge Sloweniens begleitet. Im Folgenden aufgeführt ist ihr Trip zur Wetterstation auf dem Gipfel.

Tag 1

Ich mache ein paar tiefe Atemzüge kalte, frische Abendluft und schließe meine Augen. Schon bald werde ich dort oben sein. Ich fühle mich frei. Neugierig. Jeder Schritt ist unerforschtes Gebiet. Ein neues Land, ein neues Abenteuer.

Tag 2

Ich befinde mich in Bled, in Slowenien, um mich Jaka Bulk und Jan Podgornik anzuschließen und gemeinsam hoch zur Sloweniens höchstgelegenen Wetterstation Kredarica hinaufzuklettern. Man gelangt dorthin nur per Hubschrauber, über einen sehr langen und anspruchsvollen Wanderweg oder indem man einen der Klettersteige auf der Nordseite des Bergs hochklettert.

Tag 3

Früh am Morgen, um 4.30 Uhr stieg ich mit müden Augen in Jakas Volvo V70 ein. Trotz der starken Müdigkeit war ich sehr geistesgegenwärtig und bereit für das anstehende Abenteuer. Nach einer eineinhalbstündigen Fahrt entlang der kurvigen Bergstraßen kamen wir endlich an einer Lichtung an, wo wir unser Auto parkten und stehen ließen. Wir liefen einen Feldweg entlang, als Jan plötzlich nach rechts auf einen kleinen, kaum sichtbaren Pfad abbog, der direkt in den Wald führte.

Der Klettersteig wird „Kratka Nemška” bzw. auf Englisch „The Short German Route” (Deutsch: der „Kurze Deutsche Weg”) genannt. Er wurde zum ersten Mal 1906 erklommen und gehört zu der Gebirgskette „Julische Alpen”. Es handelt sich dabei um eine 1000 Meter lange Kletterroute, die teilweise die Stufe IV auf der UIAA-Schwierigkeitsskala erreicht und für deren Erklettern zwischen sechs und zehn Stunden benötigt werden.

Das Klettern fühlte sich gut an, und wir bewegten uns langsam aufwärts. Mit jedem erkämpften Höhenmeter wurden wir besser. Nach einigen Stunden erreichten wir das Ende des „Deutschen Weges”, und es war an der Zeit, den nächsten Abschnitt zu besteigen, der uns ganz bis zum Gipfel führen würde.

Bis jetzt war das Klettern einfach gewesen, aber aufgrund des Regens im Lauf der letzten Tage im Tal waren die Gipfel verschneit, und das Klettern wurde dadurch schwieriger. Ab jetzt war es rutschig und nass, und es gab immer mehr Eis, je höher wir aufstiegen. Die Tatsache, dass wir keine Steigeisen hatten, machte das Ganze noch schwieriger. Jeder Schritt erforderte sorgfältiges Überlegen, und wir bewegten uns langsam und vorsichtig. Dem etwas anspruchsvollen Aufstieg zum Trotz konnte unsere stimmung jedoch kaum besser sein, als unser Ziel allmählich zum Vorschein kam – die Forschungsstation! Um 17 Uhr – elf Stunden, nachdem wir das Auto an der Lichtung zurückgelassen hatten – eröffnete sich uns eine atemberaubende Aussicht! Obwohl wir elf Stunden hinter uns hatten, lagen fast genauso viele vor uns, bis wir wieder beim Auto ankommen würden. Ein etwa siebenstündiger Abstieg. Wie man oft sagt: „Wenn man am Gipfel angekommen ist, hat man erst die Hälfte geschafft.”

Während noch die letzten Sonnenstrahlen den Berg streiften, verließen wir die Hütte, um mit dem Abstieg zu beginnen. Die Sonne glühte, die Berggipfel waren rosa gefärbt, und im Himmel vermischten sich blau, grün und lila. Nach etwa sieben Stunden erreichten wir unser Auto, was meinem erschöpften Körper sehr wohl tat.

Tag 4

Mit geschwollenen Füßen erwachte ich in meinem Hotelzimmer zum Leben. Ich zog mich an, ging hinunter und hatte ein ausgedehntes Frühstück und beschloss, mich heute zu schonen.

Tag 5

Von einer Reise nach Hause zu kommen, hat immer etwas Trauriges an sich. Insbesondere, wenn die Ausflüge zu größeren Erlebnissen werden, die dein Leben sowohl emotional als auch körperlich aufrütteln. Nach Hause zu kommen, wird zu einem abrupten Kontrast. „Habe ich gestern wirklich diesen Berg bestiegen und den schönsten Sonnenuntergang meines Lebens erlebt?” Es wird schwer, es zu begreifen, es auf sich wirken zu lassen, und ich frage mich, ob es wirklich passiert ist. Der Wunsch, die Zeit anzuhalten, damit der Kopf begreifen kann, dass es wirklich passiert ist, wird deshalb umso stärker.

Ich muss mir die ganze Zeit vorstellen und darüber Gedanken machen, wo ich das nächste Mal hingehe.

/Sophie Odelberg