Tipps für die perfekte Gipfeltour


Viele denken, in den Bergen mit Skiern auf Gipfeltour zu gehen, ist anspruchsvoll und nur etwas für fortgeschrittene Skifahrer. Und sicherlich sind gewisse Grundkenntnisse und Vorbereitungen erforderlich, aber wir hoffen, dass mehr Menschen in den Genuss kommen, aus eigener Kraft die Berge zu erklimmen, um anschließend die ersehnten und hart erarbeiteten Schwünge nach unten zu genießen. Mit der richtigen Ausrüstung und soliden Grundkenntnissen können Sie weit kommen.
Wir haben Jonathan Axelsson Sandström, Gründer des Unternehmens All Mtn Guide, ausgebildeter Bergführer und erfahrener Gipfelerklimmer, gebeten, uns einige Tipps zu nennen, die Ihnen auf dem Weg zum Gipfel helfen können.

Woran muss man denken, wenn man sich auf Skiern auf eine Gipfeltour in die Berge aufmacht?

– „Entscheidend ist, dass man sich vorbereitet, bevor man sich auf den Weg macht. Man sollte mit der eigenen Ausrüstung bei unterschiedlichen Wetterbedingungen an einem sicheren Ort trainieren, sodass die Ausrüstung fehlerfrei funktioniert und Sie den Umgang damit gewohnt sind. Außerdem ist es wichtig, darauf zu achten, dass man körperlich gut in Form ist. Eine Gipfeltour ist eine anstrengende Aktivität, die ein angemessenes Vorbereitungstraining erfordert.“

Woran sollte man im Hinblick auf die Sicherheit unbedingt denken?

– „Niemals ohne einen oder mehrere Freunde losziehen. Das kleinste Missgeschick kann zu einer kritischen Situation führen, wenn man alleine in den Bergen ist. Und dann ist es auch wichtig, dafür zu sorgen, dass man die richtige Ausrüstung dabei hat; das A und O sind hier Lawinenausrüstung mit Transceiver, Sonde und Spaten. Wenn Sie die Möglichkeit haben, einen Lawinenrucksack mit Airbag mitzunehmen, ist das eine gute Ergänzung. Weiterhin ist wichtig, dass auch Ihre Begleiter Kenntnisse in Erster Hilfe und Kameradenrettung haben. Einen Lawinenkurs zu besuchen, ist für Sie als Gipfelwanderer eine gute Vorbereitung auf Ihre Touren im Winter.   

Sich selbst und seinen Freunden vor der Tour Fragen zu stellen, ist ebenfalls ein einfacher Trick, um sicherzustellen, dass Sie sich gut vorbereitet haben. Habe ich die richtige Kleidung für das Wetter des jeweiligen Tages? Kenne ich die tagesaktuelle Lawinenprognose? Schafft jeder einzelne von uns das Tagesziel? Gibt es in unser Gruppe Ortskenntnis des Geländes, in dem wir uns an diesem Tag bewegen? Haben wir einen Plan für den Tag?“

Ski Touring to the top and back

 

Welche Kleidung eignet sich perfekt für eine Gipfeltour?

– „Es besteht ein großer Unterschied bei der Wahl der Bekleidung für einen Tag auf der Abfahrt und für eine Gipfeltour. Bei einer Gipfeltour bist du mehr oder weniger den ganzen Tag in Bewegung, und es gibt keine Wärmehütten, die auf dich wartest, wenn du zu frieren beginnst. Darum ist es wichtig, die richtige Bekleidung für die Tour auszuwählen.

Für eine Gipfeltour solltest du dich so kleiden, dass du nicht schwitzt oder dich in deiner Kleidung eingezwängt fühlst, gleichzeitig darfst du aber auch nicht frieren, wenn du anhältst. Darum empfiehlt es sich, alle Bekleidungsschichten zu durchdenken. Beginn mit Funktionsunterwäsche, die die Feuchtigkeit vom Körper abtransportiert und die Wärme hält, wenn du anhältst, da der Schweiß dich schnell abkühlt. Über der Unterwäsche trägst du nach Möglichkeit etwas Flexibles mit guten Atmungseigenschaften, z. B. Softshell-Kleidung, die angenehm zu tragen und gut für Touren geeignet ist. An windstillen Tagen ohne Niederschlag kann es angenehm sein, am Oberkörper nur eine Fleece-Jacke über einem Funktionsoberteil zu tragen. Im Rucksack kannst du eine wind- und wasserdichte Jacke mitnehmen, die nicht viel Platz benötigt, sowie ein wärmendes, mit Daunen oder Synthetikmaterial gefüttertes Kleidungsstück. Dieses Kleidungsstück wirst du zumeist während der Pausen und des Mittagessens tragen, damit du die unterwegs aufgebaute Wärme nicht verlierst. Wenn man anhält, ist es außerdem angenehm, eine wärmere Mütze auf dem Kopf zu tragen.“

Welche Tipps kannst du uns geben, um den Energievorrat während der Tour optimal aufzufüllen?

– „Da wir kein überflüssiges Gewicht mitschleppen möchten und der Platz im Rucksack begrenzt ist, sollte die Nahrung bei geringem Gewicht und Volumen viel Energie liefern. Ich selbst nehme immer Marzipan mit. Das mag vielen etwas seltsam erscheinen, funktioniert aber unglaublich gut. Nüsse sind ebenfalls energiereich und benötigen nicht viel Platz. Außerdem habe ich immer eine kleine Thermoskanne mit einem warmen Getränk dabei. Denn der Körper ist manchmal trügerisch und signalisiert Durst nicht auf die gleiche Weise, wenn es kalt ist, was dazu führt, dass man schnell vergisst, den Flüssigkeitshaushalt mit Wasser aufzufüllen. Denk daran, und trink regelmäßig. Und zum Schluss, was vielleicht das Wichtigste überhaupt ist, denke ich, dass man nicht vergessen darf, dass es bei einer Gipfeltour darum geht, die Zeit zu genießen und es sich gutgehen zu lassen. Daher ist eine richtige Essenspause immer willkommen und führt dazu, dass die Laune stimmt, wenn es Zeit für eine Pause ist.“

Welches sind die häufigsten Fehler bei Gipfeltouren?

– „Zu schnell und ohne Pausen zu gehen, insbesondere zu Beginn des Tages, und sich zu warm anzuziehen, sodass man beim Gehen schwitzt, sind zwei sehr häufige Fehler. Ein wenig zu frieren, direkt bevor es losgeht, ist eine gute Ausgangssituation, um eine angenehme Temperatur zu erreichen, wenn man in Gange kommt. Und dann sollte man wirklich auf alle Signale achten, die darauf hindeuten, dass die Bedingungen nicht gut sind, und wenn man den Eindruck hat, dass nicht alles so ist, wie es sein sollte, kehrt ihr um. Viele Unfälle in den Bergen hätten vermieden werden können, wenn die Betroffenen umgekehrt wären. Es ist nichts falsch daran, vor dem Gipfel oder dem Ziel des Tages umzukehren. Die Berge werden noch da sein, wenn ihr das nächste Mal hinkommt, das verspreche ich.“